Wärmepumpe planen

Von der Idee bis zur Bestellung - so planen Sie Ihre Wärmepumpe richtig

Wärmepumpe richtig planen

Der Planungsprozess im Überblick

Die 6 Schritte zur Wärmepumpe:

  1. Bestandsaufnahme - Gebäude und Heizsystem analysieren
  2. Systemauswahl - Den richtigen Wärmepumpentyp wählen
  3. Dimensionierung - Die passende Leistung ermitteln
  4. Angebote einholen - Fachbetriebe vergleichen
  5. Förderung beantragen - VOR Beauftragung!
  6. Auftrag erteilen - Nach Förderzusage

Wichtigste Regel: Der Förderantrag muss vor der Beauftragung gestellt werden! Planen Sie daher ausreichend Zeit ein.


Schritt 1: Bestandsaufnahme

Ihr Gebäude analysieren

Diese Daten sollten Sie sammeln:

InformationWoher?Wofür wichtig?
WohnflächeGrundriss/KaufvertragHeizlastberechnung
BaujahrBauunterlagenDämmstandard einschätzen
Bisheriger VerbrauchHeizkostenabrechnungWärmebedarf ermitteln
Aktuelles HeizsystemTypenschildFörderung (Klimabonus)
VorlauftemperaturHeizungsreglerEffizienz-Potenzial
HeizflächenAugenscheinSystemeignung

Heizlast überschlägig ermitteln

Schnelle Schätzung über den Verbrauch:

Heizlast (kW) ≈ Heizenergieverbrauch (kWh/Jahr) ÷ 2.000

Beispiel:

  • Gasverbrauch: 20.000 kWh/Jahr
  • Geschätzte Heizlast: 20.000 ÷ 2.000 = 10 kW

Alternativ über Faustformel (Wohnfläche):

GebäudetypHeizlast pro m²
Neubau (KfW 40)25-35 W/m²
Neubau (GEG)40-50 W/m²
Sanierter Altbau60-80 W/m²
Unsanierter Altbau100-150 W/m²

Beispiel: 150 m² sanierter Altbau × 70 W/m² = 10,5 kW

Wichtig: Diese Werte sind Schätzungen! Der Fachbetrieb sollte eine genaue Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchführen.

Vorlauftemperatur prüfen

So ermitteln Sie Ihre aktuelle Vorlauftemperatur:

  1. Warten Sie auf einen kalten Tag (< 0°C)
  2. Schauen Sie an der Heizungssteuerung nach
  3. Notieren Sie die Vorlauftemperatur bei dieser Außentemperatur

Oder: Heizkennlinie ablesen

  • Die meisten Heizungen zeigen die Kennlinie an
  • Bei -10°C Außentemperatur die Vorlauftemperatur ablesen

Bewertung:

VorlauftemperaturFür Wärmepumpe
< 40°CIdeal
40-50°CSehr gut
50-55°CGut
55-65°CAkzeptabel
> 65°COptimierung empfohlen

Schritt 2: Systemauswahl

Welche Wärmequelle?

Entscheidungsmatrix:

KriteriumLuftSoleWasser
Budget begrenzt
Schnelle Umsetzung
Max. Effizienz
Passiv Kühlen
Kleine Grundstücksfläche
Keine Genehmigung

Empfehlung: In 80% der Fälle ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die richtige Wahl. Sie bietet das beste Verhältnis von Kosten, Aufwand und Nutzen.

Monoblock oder Split?

Luft-Wasser-Wärmepumpe - zwei Bauformen:

Monoblock:

  • Alle Komponenten im Außengerät
  • Wasserleitung ins Haus
  • Frostschutz der Leitung beachten
  • Einfachere Installation
  • Kein Kältemittelschein nötig

Split:

  • Außen- und Innengerät
  • Kältemittelleitung verbindet beide
  • Frostschutz unkritisch
  • Höhere Installationskosten
  • Kältemittelschein erforderlich

Zusatzfunktionen

Diese Optionen sollten Sie prüfen:

FunktionWann sinnvoll?
KühlfunktionSommers kühl haben wollen
Smart-Home-AnbindungPV-Optimierung, Fernsteuerung
Warmwasserspeicher integriertKompakte Lösung gewünscht
Hochtemperatur-FunktionAltbau mit hoher Vorlauftemperatur
Inverter-TechnologieStandard bei modernen Geräten

Schritt 3: Dimensionierung

Die richtige Leistung finden

Häufiger Fehler: Überdimensionierung! Eine zu große Wärmepumpe taktet häufig und verschleißt schneller. Lieber etwas kleiner dimensionieren.

Richtwerte für Einfamilienhäuser:

WohnflächeNeubauSaniertUnsaniert
100 m²4-5 kW6-8 kW10-12 kW
150 m²6-7 kW8-11 kW14-18 kW
200 m²7-9 kW10-14 kW18-24 kW
250 m²8-10 kW12-17 kW22-30 kW

Bivalenzpunkt und Heizstab

Moderne Wärmepumpen haben einen elektrischen Heizstab:

  • Springt bei extremer Kälte ein (unter -10°C)
  • Überbrückt Spitzenlast
  • Ermöglicht kleinere Wärmepumpen-Dimensionierung
  • Wenige Betriebsstunden im Jahr

Bivalenzpunkt: Die Außentemperatur, ab der der Heizstab unterstützt

  • Typisch: -7°C bis -12°C
  • Je niedriger, desto effizienter die Gesamtanlage

Warmwasser berücksichtigen

Zusätzlicher Leistungsbedarf für Warmwasser:

HaushaltsgrößeWarmwasserbedarfZusatzleistung
2 Personenca. 2.000 kWh/Jahr+0,5 kW
4 Personenca. 3.500 kWh/Jahr+1,0 kW
6 Personenca. 5.000 kWh/Jahr+1,5 kW

Tipp: Die meisten Wärmepumpen sind für Warmwasser ausreichend dimensioniert. Eine separate Berechnung ist nur bei besonders hohem Bedarf nötig.


Schritt 4: Angebote einholen

Den richtigen Fachbetrieb finden

Qualifikationen, auf die Sie achten sollten:

  • ☐ Zertifizierung durch Hersteller
  • ☐ Eintrag in Handwerksrolle
  • ☐ Erfahrung mit Wärmepumpen (Referenzen)
  • ☐ Mitgliedschaft in Fachverbänden (BWP, SHK)
  • ☐ Eigene Monteure (nicht nur Subunternehmer)

So finden Sie Fachbetriebe:

  • Herstellersuche: Die meisten Hersteller haben Installateursfinder
  • Handwerkskammer: Regionale Innungsbetriebe
  • BWP (Bundesverband Wärmepumpe): waermepumpe.de
  • Energie-Effizienz-Experten: energie-effizienz-experten.de
  • Empfehlungen: Nachbarn, Bekannte fragen

Was sollte im Angebot stehen?

Mindestinhalt eines seriösen Angebots:

PositionDetails
WärmepumpeHersteller, Modell, Leistung, Kältemittel
SpeicherPufferspeicher, Warmwasserspeicher
ZubehörRegelung, Außenfühler, Wärmemengenzähler
InstallationMontage, Elektroanschluss, Inbetriebnahme
HydraulikHydraulischer Abgleich (Pflicht!)
SonstigesEntsorgung Altanlage, Genehmigungen
GarantieGerätegarantie, Installationsgewährleistung

Angebote vergleichen

Achten Sie auf:

  • Gesamtpreis: Alle Positionen enthalten?
  • Heizlastberechnung: Wurde eine durchgeführt?
  • Hydraulischer Abgleich: Im Preis enthalten?
  • Garantie: Mindestens 2 Jahre, besser 5 Jahre
  • Festpreis oder Kostenvoranschlag?
  • Zahlungsbedingungen: Nicht zu viel Vorkasse!

Vorsicht bei:

  • Extrem günstigen Angeboten (Qualität prüfen!)
  • Hohen Vorkasse-Forderungen (max. 30% üblich)
  • Fehlender Heizlastberechnung
  • Unklaren Leistungsbeschreibungen

Schritt 5: Förderung beantragen

Zeitlicher Ablauf

So läuft die Förderung ab:

  1. Angebot einholen (unverbindlich)
  2. Förderantrag online stellen (vor Auftrag!)
  3. Zuwendungsbescheid abwarten (2-4 Wochen)
  4. Auftrag erteilen (erst nach Antragstellung!)
  5. Installation durchführen
  6. Verwendungsnachweis einreichen
  7. Förderung erhalten (4-8 Wochen nach Nachweis)

Förderantrag stellen

Benötigte Unterlagen für den BAFA-Antrag:

  • ☐ Angebot des Fachbetriebs
  • ☐ Technisches Datenblatt der Wärmepumpe
  • ☐ Eigentümernachweis (Grundbuchauszug)
  • ☐ JAZ-Berechnung (vom Fachbetrieb)
  • ☐ Bestätigung zum Antrag (BzA) - falls Energieberater beteiligt

Aufschiebende Bedingung

So können Sie früher planen:

Sie können einen Vertrag mit dem Fachbetrieb abschließen, wenn er eine aufschiebende Bedingung enthält:

„Der Vertrag wird erst wirksam, wenn die Förderzusage des BAFA vorliegt."

So können Sie den Fachbetrieb bereits beauftragen, ohne die Förderung zu gefährden.


Schritt 6: Auftragserteilung

Nach der Förderzusage

Jetzt können Sie:

  1. ☐ Den Auftrag verbindlich erteilen
  2. ☐ Installationstermin vereinbaren
  3. ☐ Ggf. KfW-Kredit beantragen (für Eigenanteil)
  4. ☐ Bei Sole/Wasser: Genehmigung einholen lassen

Was muss im Vertrag stehen?

Wichtige Vertragsbestandteile:

  • Detaillierte Leistungsbeschreibung
  • Festpreis (nicht nur Kostenvoranschlag)
  • Zahlungsplan (nicht mehr als 30% Vorkasse)
  • Fertigstellungstermin
  • Gewährleistungsfrist (mind. 2 Jahre)
  • Kündigungsrecht bei Verzögerung

Checkliste für die Planung

Phase 1: Vorbereitung (1-2 Wochen)

  • ☐ Energieverbrauch der letzten Jahre sammeln
  • ☐ Vorlauftemperatur ermitteln
  • ☐ Heizflächen begutachten
  • ☐ Aufstellort prüfen
  • ☐ Budget festlegen

Phase 2: Angebotsphase (2-4 Wochen)

  • ☐ 2-3 Fachbetriebe kontaktieren
  • ☐ Vor-Ort-Termin vereinbaren
  • ☐ Angebote einholen und vergleichen
  • ☐ Referenzen prüfen
  • ☐ Entscheidung treffen

Phase 3: Förderung (2-4 Wochen)

  • ☐ Förderantrag online stellen
  • ☐ Regionale Förderung prüfen
  • ☐ Zuwendungsbescheid abwarten
  • ☐ Ggf. KfW-Kredit beantragen

Phase 4: Beauftragung

  • ☐ Vertrag prüfen und unterschreiben
  • ☐ Installationstermin vereinbaren
  • ☐ Ggf. Genehmigungen einholen lassen

Häufige Planungsfehler

Vermeiden Sie diese Fehler

1. Förderantrag zu spät stellen

  • Der Antrag muss VOR dem Auftrag gestellt werden
  • Auch ein unverbindliches Angebot ist noch kein Auftrag

2. Wärmepumpe überdimensionieren

  • Zu große Geräte takten häufig und verschleißen schneller
  • Der Heizstab deckt Spitzenlasten ab

3. Hydraulischen Abgleich vergessen

  • Pflicht für die Förderung!
  • Ohne Abgleich arbeitet die Wärmepumpe ineffizient

4. Nur auf den Preis schauen

  • Billige Geräte haben oft höhere Betriebskosten
  • Qualität und Service des Fachbetriebs beachten

5. Keine Heizlastberechnung

  • Schätzungen führen zu Fehlplanung
  • Eine normgerechte Berechnung ist Standard

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Planung bis zur Installation?

Rechnen Sie mit 2-4 Monaten von der ersten Anfrage bis zur fertigen Installation:

  • Angebotsphase: 2-4 Wochen
  • Förderantrag: 2-4 Wochen
  • Lieferzeit: 2-6 Wochen
  • Installation: 1-3 Tage
Brauche ich einen Energieberater?

Für die Grundförderung nicht zwingend. Ein Energieberater kann aber helfen, das optimale System zu finden und Einsparpotenziale zu identifizieren. Außerdem ist die Energieberatung selbst förderfähig (BAFA: 80% der Kosten).

Wie viele Angebote sollte ich einholen?

Mindestens 2-3 Angebote zum Vergleich. Bei großen Projekten auch mehr. Achten Sie auf vergleichbare Leistungen und lassen Sie sich Abweichungen erklären.

Kann ich Eigenleistungen einbringen?

Nur sehr eingeschränkt. Die Installation muss von einem Fachbetrieb erfolgen, sonst gibt es keine Förderung und keine Gewährleistung. Eigenleistungen sind allenfalls bei Vorarbeiten möglich (z.B. alte Heizkörper abmontieren).

Was kostet eine professionelle Heizlastberechnung?

Ca. 200-500 € für ein Einfamilienhaus. Viele Fachbetriebe bieten sie als Teil des Angebots an oder verrechnen sie mit dem Auftrag.


Zusammenfassung

Die wichtigsten Punkte für Ihre Planung:

  1. Bestandsaufnahme: Verbrauch, Vorlauftemperatur, Heizflächen kennen
  2. Systemwahl: In 80% der Fälle ist Luft-Wasser die beste Wahl
  3. Dimensionierung: Lieber etwas kleiner als zu groß
  4. Angebote: 2-3 Fachbetriebe vergleichen, nicht nur nach Preis
  5. Förderung: UNBEDINGT vor Beauftragung beantragen!
  6. Vertrag: Auf Festpreis, Gewährleistung und hydraulischen Abgleich achten

Nächster Schritt: Nutzen Sie unseren Rechner für eine erste Wirtschaftlichkeitsberechnung, dann holen Sie Angebote ein!

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