Wärmepumpe planen
Von der Idee bis zur Bestellung - so planen Sie Ihre Wärmepumpe richtig
Wärmepumpe richtig planen
Der Planungsprozess im Überblick
Die 6 Schritte zur Wärmepumpe:
- Bestandsaufnahme - Gebäude und Heizsystem analysieren
- Systemauswahl - Den richtigen Wärmepumpentyp wählen
- Dimensionierung - Die passende Leistung ermitteln
- Angebote einholen - Fachbetriebe vergleichen
- Förderung beantragen - VOR Beauftragung!
- Auftrag erteilen - Nach Förderzusage
Wichtigste Regel: Der Förderantrag muss vor der Beauftragung gestellt werden! Planen Sie daher ausreichend Zeit ein.
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Ihr Gebäude analysieren
Diese Daten sollten Sie sammeln:
| Information | Woher? | Wofür wichtig? |
|---|---|---|
| Wohnfläche | Grundriss/Kaufvertrag | Heizlastberechnung |
| Baujahr | Bauunterlagen | Dämmstandard einschätzen |
| Bisheriger Verbrauch | Heizkostenabrechnung | Wärmebedarf ermitteln |
| Aktuelles Heizsystem | Typenschild | Förderung (Klimabonus) |
| Vorlauftemperatur | Heizungsregler | Effizienz-Potenzial |
| Heizflächen | Augenschein | Systemeignung |
Heizlast überschlägig ermitteln
Schnelle Schätzung über den Verbrauch:
Heizlast (kW) ≈ Heizenergieverbrauch (kWh/Jahr) ÷ 2.000
Beispiel:
- Gasverbrauch: 20.000 kWh/Jahr
- Geschätzte Heizlast: 20.000 ÷ 2.000 = 10 kW
Alternativ über Faustformel (Wohnfläche):
| Gebäudetyp | Heizlast pro m² |
|---|---|
| Neubau (KfW 40) | 25-35 W/m² |
| Neubau (GEG) | 40-50 W/m² |
| Sanierter Altbau | 60-80 W/m² |
| Unsanierter Altbau | 100-150 W/m² |
Beispiel: 150 m² sanierter Altbau × 70 W/m² = 10,5 kW
Wichtig: Diese Werte sind Schätzungen! Der Fachbetrieb sollte eine genaue Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchführen.
Vorlauftemperatur prüfen
So ermitteln Sie Ihre aktuelle Vorlauftemperatur:
- Warten Sie auf einen kalten Tag (< 0°C)
- Schauen Sie an der Heizungssteuerung nach
- Notieren Sie die Vorlauftemperatur bei dieser Außentemperatur
Oder: Heizkennlinie ablesen
- Die meisten Heizungen zeigen die Kennlinie an
- Bei -10°C Außentemperatur die Vorlauftemperatur ablesen
Bewertung:
| Vorlauftemperatur | Für Wärmepumpe |
|---|---|
| < 40°C | Ideal |
| 40-50°C | Sehr gut |
| 50-55°C | Gut |
| 55-65°C | Akzeptabel |
| > 65°C | Optimierung empfohlen |
Schritt 2: Systemauswahl
Welche Wärmequelle?
Entscheidungsmatrix:
| Kriterium | Luft | Sole | Wasser |
|---|---|---|---|
| Budget begrenzt | ✅ | ❌ | ❌ |
| Schnelle Umsetzung | ✅ | ❌ | ❌ |
| Max. Effizienz | ❌ | ✅ | ✅ |
| Passiv Kühlen | ❌ | ✅ | ✅ |
| Kleine Grundstücksfläche | ✅ | ❌ | ✅ |
| Keine Genehmigung | ✅ | ❌ | ❌ |
Empfehlung: In 80% der Fälle ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die richtige Wahl. Sie bietet das beste Verhältnis von Kosten, Aufwand und Nutzen.
Monoblock oder Split?
Luft-Wasser-Wärmepumpe - zwei Bauformen:
Monoblock:
- Alle Komponenten im Außengerät
- Wasserleitung ins Haus
- Frostschutz der Leitung beachten
- Einfachere Installation
- Kein Kältemittelschein nötig
Split:
- Außen- und Innengerät
- Kältemittelleitung verbindet beide
- Frostschutz unkritisch
- Höhere Installationskosten
- Kältemittelschein erforderlich
Zusatzfunktionen
Diese Optionen sollten Sie prüfen:
| Funktion | Wann sinnvoll? |
|---|---|
| Kühlfunktion | Sommers kühl haben wollen |
| Smart-Home-Anbindung | PV-Optimierung, Fernsteuerung |
| Warmwasserspeicher integriert | Kompakte Lösung gewünscht |
| Hochtemperatur-Funktion | Altbau mit hoher Vorlauftemperatur |
| Inverter-Technologie | Standard bei modernen Geräten |
Schritt 3: Dimensionierung
Die richtige Leistung finden
Häufiger Fehler: Überdimensionierung! Eine zu große Wärmepumpe taktet häufig und verschleißt schneller. Lieber etwas kleiner dimensionieren.
Richtwerte für Einfamilienhäuser:
| Wohnfläche | Neubau | Saniert | Unsaniert |
|---|---|---|---|
| 100 m² | 4-5 kW | 6-8 kW | 10-12 kW |
| 150 m² | 6-7 kW | 8-11 kW | 14-18 kW |
| 200 m² | 7-9 kW | 10-14 kW | 18-24 kW |
| 250 m² | 8-10 kW | 12-17 kW | 22-30 kW |
Bivalenzpunkt und Heizstab
Moderne Wärmepumpen haben einen elektrischen Heizstab:
- Springt bei extremer Kälte ein (unter -10°C)
- Überbrückt Spitzenlast
- Ermöglicht kleinere Wärmepumpen-Dimensionierung
- Wenige Betriebsstunden im Jahr
Bivalenzpunkt: Die Außentemperatur, ab der der Heizstab unterstützt
- Typisch: -7°C bis -12°C
- Je niedriger, desto effizienter die Gesamtanlage
Warmwasser berücksichtigen
Zusätzlicher Leistungsbedarf für Warmwasser:
| Haushaltsgröße | Warmwasserbedarf | Zusatzleistung |
|---|---|---|
| 2 Personen | ca. 2.000 kWh/Jahr | +0,5 kW |
| 4 Personen | ca. 3.500 kWh/Jahr | +1,0 kW |
| 6 Personen | ca. 5.000 kWh/Jahr | +1,5 kW |
Tipp: Die meisten Wärmepumpen sind für Warmwasser ausreichend dimensioniert. Eine separate Berechnung ist nur bei besonders hohem Bedarf nötig.
Schritt 4: Angebote einholen
Den richtigen Fachbetrieb finden
Qualifikationen, auf die Sie achten sollten:
- ☐ Zertifizierung durch Hersteller
- ☐ Eintrag in Handwerksrolle
- ☐ Erfahrung mit Wärmepumpen (Referenzen)
- ☐ Mitgliedschaft in Fachverbänden (BWP, SHK)
- ☐ Eigene Monteure (nicht nur Subunternehmer)
So finden Sie Fachbetriebe:
- Herstellersuche: Die meisten Hersteller haben Installateursfinder
- Handwerkskammer: Regionale Innungsbetriebe
- BWP (Bundesverband Wärmepumpe): waermepumpe.de
- Energie-Effizienz-Experten: energie-effizienz-experten.de
- Empfehlungen: Nachbarn, Bekannte fragen
Was sollte im Angebot stehen?
Mindestinhalt eines seriösen Angebots:
| Position | Details |
|---|---|
| Wärmepumpe | Hersteller, Modell, Leistung, Kältemittel |
| Speicher | Pufferspeicher, Warmwasserspeicher |
| Zubehör | Regelung, Außenfühler, Wärmemengenzähler |
| Installation | Montage, Elektroanschluss, Inbetriebnahme |
| Hydraulik | Hydraulischer Abgleich (Pflicht!) |
| Sonstiges | Entsorgung Altanlage, Genehmigungen |
| Garantie | Gerätegarantie, Installationsgewährleistung |
Angebote vergleichen
Achten Sie auf:
- Gesamtpreis: Alle Positionen enthalten?
- Heizlastberechnung: Wurde eine durchgeführt?
- Hydraulischer Abgleich: Im Preis enthalten?
- Garantie: Mindestens 2 Jahre, besser 5 Jahre
- Festpreis oder Kostenvoranschlag?
- Zahlungsbedingungen: Nicht zu viel Vorkasse!
Vorsicht bei:
- Extrem günstigen Angeboten (Qualität prüfen!)
- Hohen Vorkasse-Forderungen (max. 30% üblich)
- Fehlender Heizlastberechnung
- Unklaren Leistungsbeschreibungen
Schritt 5: Förderung beantragen
Zeitlicher Ablauf
So läuft die Förderung ab:
- Angebot einholen (unverbindlich)
- Förderantrag online stellen (vor Auftrag!)
- Zuwendungsbescheid abwarten (2-4 Wochen)
- Auftrag erteilen (erst nach Antragstellung!)
- Installation durchführen
- Verwendungsnachweis einreichen
- Förderung erhalten (4-8 Wochen nach Nachweis)
Förderantrag stellen
Benötigte Unterlagen für den BAFA-Antrag:
- ☐ Angebot des Fachbetriebs
- ☐ Technisches Datenblatt der Wärmepumpe
- ☐ Eigentümernachweis (Grundbuchauszug)
- ☐ JAZ-Berechnung (vom Fachbetrieb)
- ☐ Bestätigung zum Antrag (BzA) - falls Energieberater beteiligt
Aufschiebende Bedingung
So können Sie früher planen:
Sie können einen Vertrag mit dem Fachbetrieb abschließen, wenn er eine aufschiebende Bedingung enthält:
„Der Vertrag wird erst wirksam, wenn die Förderzusage des BAFA vorliegt."
So können Sie den Fachbetrieb bereits beauftragen, ohne die Förderung zu gefährden.
Schritt 6: Auftragserteilung
Nach der Förderzusage
Jetzt können Sie:
- ☐ Den Auftrag verbindlich erteilen
- ☐ Installationstermin vereinbaren
- ☐ Ggf. KfW-Kredit beantragen (für Eigenanteil)
- ☐ Bei Sole/Wasser: Genehmigung einholen lassen
Was muss im Vertrag stehen?
Wichtige Vertragsbestandteile:
- Detaillierte Leistungsbeschreibung
- Festpreis (nicht nur Kostenvoranschlag)
- Zahlungsplan (nicht mehr als 30% Vorkasse)
- Fertigstellungstermin
- Gewährleistungsfrist (mind. 2 Jahre)
- Kündigungsrecht bei Verzögerung
Checkliste für die Planung
Phase 1: Vorbereitung (1-2 Wochen)
- ☐ Energieverbrauch der letzten Jahre sammeln
- ☐ Vorlauftemperatur ermitteln
- ☐ Heizflächen begutachten
- ☐ Aufstellort prüfen
- ☐ Budget festlegen
Phase 2: Angebotsphase (2-4 Wochen)
- ☐ 2-3 Fachbetriebe kontaktieren
- ☐ Vor-Ort-Termin vereinbaren
- ☐ Angebote einholen und vergleichen
- ☐ Referenzen prüfen
- ☐ Entscheidung treffen
Phase 3: Förderung (2-4 Wochen)
- ☐ Förderantrag online stellen
- ☐ Regionale Förderung prüfen
- ☐ Zuwendungsbescheid abwarten
- ☐ Ggf. KfW-Kredit beantragen
Phase 4: Beauftragung
- ☐ Vertrag prüfen und unterschreiben
- ☐ Installationstermin vereinbaren
- ☐ Ggf. Genehmigungen einholen lassen
Häufige Planungsfehler
Vermeiden Sie diese Fehler
1. Förderantrag zu spät stellen
- Der Antrag muss VOR dem Auftrag gestellt werden
- Auch ein unverbindliches Angebot ist noch kein Auftrag
2. Wärmepumpe überdimensionieren
- Zu große Geräte takten häufig und verschleißen schneller
- Der Heizstab deckt Spitzenlasten ab
3. Hydraulischen Abgleich vergessen
- Pflicht für die Förderung!
- Ohne Abgleich arbeitet die Wärmepumpe ineffizient
4. Nur auf den Preis schauen
- Billige Geräte haben oft höhere Betriebskosten
- Qualität und Service des Fachbetriebs beachten
5. Keine Heizlastberechnung
- Schätzungen führen zu Fehlplanung
- Eine normgerechte Berechnung ist Standard
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Planung bis zur Installation?
Rechnen Sie mit 2-4 Monaten von der ersten Anfrage bis zur fertigen Installation:
- Angebotsphase: 2-4 Wochen
- Förderantrag: 2-4 Wochen
- Lieferzeit: 2-6 Wochen
- Installation: 1-3 Tage
Brauche ich einen Energieberater?
Für die Grundförderung nicht zwingend. Ein Energieberater kann aber helfen, das optimale System zu finden und Einsparpotenziale zu identifizieren. Außerdem ist die Energieberatung selbst förderfähig (BAFA: 80% der Kosten).
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Mindestens 2-3 Angebote zum Vergleich. Bei großen Projekten auch mehr. Achten Sie auf vergleichbare Leistungen und lassen Sie sich Abweichungen erklären.
Kann ich Eigenleistungen einbringen?
Nur sehr eingeschränkt. Die Installation muss von einem Fachbetrieb erfolgen, sonst gibt es keine Förderung und keine Gewährleistung. Eigenleistungen sind allenfalls bei Vorarbeiten möglich (z.B. alte Heizkörper abmontieren).
Was kostet eine professionelle Heizlastberechnung?
Ca. 200-500 € für ein Einfamilienhaus. Viele Fachbetriebe bieten sie als Teil des Angebots an oder verrechnen sie mit dem Auftrag.
Zusammenfassung
Die wichtigsten Punkte für Ihre Planung:
- Bestandsaufnahme: Verbrauch, Vorlauftemperatur, Heizflächen kennen
- Systemwahl: In 80% der Fälle ist Luft-Wasser die beste Wahl
- Dimensionierung: Lieber etwas kleiner als zu groß
- Angebote: 2-3 Fachbetriebe vergleichen, nicht nur nach Preis
- Förderung: UNBEDINGT vor Beauftragung beantragen!
- Vertrag: Auf Festpreis, Gewährleistung und hydraulischen Abgleich achten
Nächster Schritt: Nutzen Sie unseren Rechner für eine erste Wirtschaftlichkeitsberechnung, dann holen Sie Angebote ein!
Selbst berechnen?
Nutzen Sie unseren Rechner, um Ihre persönliche Ersparnis zu ermitteln.
Jetzt berechnen